„Am glücklichsten war ich in Bremen“ Erfolgsgeschichten – Teil 2

4.04.2012 Mechthild Bruns Gespeichert in Erfolg im Beruf, Selbstsicherheit, Werschätzende Mitarbeiterentwicklung, Werte im Beruf | Keine Kommentare »

© Florian K. für WorldcupWikiWCW, Wikipedia

In meinem letzten Beitrag über die dunklen und gefährlichen Seiten des Erfolgs hatte ich es angekündigt: Als Inhaberin der Domain www.erfolg-fuer-talente.de ist es mein Anliegen, über die Bedingungen zu schreiben, die erfüllt sein müssen, damit „gesunder“ Erfolg möglich wird.

Nun ist es soweit. Als Aufhänger für diesen Beitrag entdeckte ich im Sportteil der Süddeutschen Zeitung vom 29. März ein Interview, dass Javier Cáceres mit dem Fußballer Diego Ribas da Cunha, vielen bekannt als „Diego“, führte. Von 2006 bis 2009 spielte er äußerst erfolgreich bei Werder Bremen. Er wurde während dieser Zeit mehrmals zum Fußballer des Monats gekürt und holte mit der Mannschaft 2009 den DFB Pokal. Aktuell ist er vom VFL Wolfsburg an Atlético Madrid ausgeliehen. In der Zeit nach Bremen konnte er bislang nicht mehr an seine dortigen Erfolge anknüpfen. Es scheint aber so, dass er sich nicht unterkriegen lässt. Jedenfalls schildert er seine aktuelle Situation so: „In Sachen Aufopferung und Arbeit ist es die Saison meines Lebens. Ich meinte, dass ich nichts unversucht lassen wollte, um Fans, Trainer, Mitspieler zu überzeugen. Ich kann guten Gewissens sagen, dass ich das erreiche. Resultate kann dir im Fußball niemand garantieren.“

Auch wenn viele etwas anderes verkünden: gerade dieser letzte Satz ist aus meiner Sicht nicht nur im Fußball gültig: Erfolg kann uns niemand garantieren! Es mag ernüchternd wirken, kaum jemand, der der bislang erfolgreich war, wird es ohne die Überwindung von Durststrecken geschafft haben. Dort geht es ganz so, wie Diego es praktiziert, um harte Arbeit, um immer neue Versuche und vor allem um die, wie ich meine, größte Herausforderung, sich selbst treu zu bleiben. Eine besondere Herausforderung ist das wohl für bislang Erfolgsverwöhnte. Gelang es ihnen, ihren Erfolg ohne große Anstrengung zu erleben, so kommt irgendwann unweigerlich die Flaute. Auch Misserfolgserlebnisse gehören dazu. Erfolg ist eben keine Konstante, sondern ein äußerst fragiler Zustand. Frei nach Sepp Herberger kann man auch sagen: Nach dem Erfolg ist vor dem Erfolg.

Diegos folgende Interview-Aussagen zeigen in eindrucksvoller Weise wichtige Wirkfaktoren, die nur indirekt auf seinen eigenen Erfolg, mehr aber auf das Erfolgskonzept seines ehemaligen Trainers Thomas Schaaf verweisen. Es sind Verhaltensweisen, die aus meiner Sicht nicht nur für Fußballtrainer, sondern für alle Führungskräfte Gültigkeit besitzen. Hierzu Diego: „In allen Ländern habe ich besondere Momente erlebt … Aber die wohl wichtigste Zeit meiner Karriere hatte ich in Deutschland, bei Werder Bremen.“ Auf die Frage, warum ausgerechnet dort, antwortet er: „Weil ich dort in Thomas Schaaf einen intelligenten Trainer gefunden hatte, der meine Qualität zur Geltung brachte.“ Auf die Frage, was Schaaf besonders machte, sagte er: „Er sprach viel mit mir, stellte Fragen. Warum machst Du das so, warum nicht besser so? Es war ein Austausch da. Man konnte seine Ideen einbringen. Und: Er war immer da, in guten wie in schlechten Augenblicken … Er hat mir unglaublich viel Selbstvertrauen gegeben.“

Ich meine, besser als Diego es hier auf den Punkt bringt, kann man nicht zusammenfassen, was Führungskräften den Weg zum Erfolg ebnet: für die Mitarbeiter da sein, ihre Kompetenz anerkennen, sie ernst nehmen, viel mit ihnen reden, Fragen stellen, ihnen Freiheiten zugestehen, das ganze Team im Blick behalten, zuhören und vor allem auch für sie da sein, wenn es nicht so gut läuft. Das motiviert Mitarbeiter, macht sie selbstsicher und ermöglicht gemeinsame Erfolge.

Aus der Mitarbeiter-Perspektive ist es ein Glücksfall, wenn wir auf solche Führungskräfte treffen. Schon der Name „Vorgesetzte“ bringt zum Ausdruck: nicht immer können wir uns unsere Chefs aussuchen. Wohl aber haben wir es in der Hand, konsequent für uns zu sorgen, wenn durch mangelnde Führungsqualitäten berufliches Glück und Erfolg auf der Strecke bleiben.

 

 

 

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Welcher Beruf passt zu mir?(2) Durch Reisen und Begegnungen Klarheit gewinnen!

1.03.2012 Mechthild Bruns Gespeichert in Berufsfindung, Erfolg im Beruf, Selbstsicherheit | 2 Kommentare »

Als begeisterte Bayern 2-Hörerin werde ich immer wieder durch die verschiedensten Beiträge angeregt. Ich fange dann an zu recherchieren, um mehr über die Themen zu erfahren. Oder ich habe plötzlich eine neue Idee, die ich verfolge. So ging es mir auch heute Morgen, als ich kurz nach acht in der „kulturWelt“ einen Beitrag über den Architekten John Pawson hörte, der anlässlich seiner Ausstellungseröffnung im Architekturmuseum der TU München gesendet wurde.

Besonders hellhörig wurde ich, als Pawson darüber sprach, wie er zu seinem Beruf gefunden hat. Er erzählte dort, dass er als junger Mensch nur wusste, dass er „…etwas anfangen und gestalten wollte –etwas Einfaches.“ Was ihm fehlte, war der Inhalt, der Sinn. Und es hat lange gedauert, bis er fündig wurde. Er war bereits über dreißig Jahre alt, als er zur Architektur fand. In der Zeit davor unternahm er viele Reisen, ließ die Vielfalt auf sich wirken und traf in Japan auf den Architekten Shiro Kuramata, der ihn in entscheidender Weise inspirierte. Über diese Begegnung sagt Pawson: „Da erkannte ich meinen inneren Weg. Mir wurde klar, dass ich auf diese Weise versuchen könnte, Räume zeitgemäß zu gestalten, so wie sie mir entsprechen und wie ich mich mit ihnen wohlfühle.“ Das Ergebnis sind Gebäude und Räume von außerordentlicher Klarheit.

Aus meiner eigenen Erfahrung und aus meiner Praxis als Berufscoach weiß ich, dass es nicht untypisch für junge Leute ist, wenn sie nicht wissen, welcher Beruf der passende für sie ist. Da ist es nur gut, nicht in Torschlusspanik zu geraten, oder wie wild alle erdenklichen, mehr oder weniger sinnvollen Qualifikationen und Zertifikate zu erwerben, weil man meint, dass es sonst ein für alle Mal zu spät ist „etwas zu werden“. Leider sind auch  Schulen und Hochschulen nicht immer hilfreich, wenn es darum geht, Erkenntnisse zu gewinnen, welcher Beruf passt.  Viel zu viele junge Menschen werden hier nachhaltig frustriert und begeben sich nach abgeschlossener Ausbidlung als angepasste Wesen auf Stellensuche. Jegliches Gespür, was zu einem passen könnte, ist abhanden gekommen. Da ist es wohltuend in der Januar-Ausgabe von „brand eins“ unter der Überschrift „Uni? Nein danke!“ zu lesen, dass sich in den USA  junge Menschen, den renommierten Hochschulen verweigern, weil sie nicht in der Schule, sondern im Leben lernen wollen. Und sie beweisen, dass es funktioniert.

Die eigene Sache selbst in die Hand zu nehmen, bietet die Möglichkeit sich frei zu machen, wenn unser Bildungssystem zunehmend selektiert, sanktioniert und reglementiert. Sich genug Zeit zu nehmen und sich vielfältige Erfahrungen und Begegnungen zu gönnen, sei es durch unterschiedliche Praktika, Reisen oder etwas anderes, bringt auf jeden Fall Erkenntnisgewinn. Gelingt es, auf diese Weise erfahrbar zu machen, wie und wo es auf den „inneren Weg“ geht, so führt das ganz sicher irgendwann zu dem Beruf, der Klarheit, Sinnstiftung und damit Erfüllung bietet. Dies wird am Beispiel von John Pawson beeindruckende Weise deutlich.

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Müssen HeldInnen früh sterben? Wenn Erfolg lebensgefährlich wird.

20.02.2012 Mechthild Bruns Gespeichert in Erfolg im Beruf, Selbstsicherheit, Werte im Beruf | Keine Kommentare »

Vor einigen Wochen brachte mein Mann mir sonntags morgens die Nachricht ans Bett: Withney Houston ist tot. Um es schlicht zu sagen: ich war traurig. Wieder hatte es eine meiner Heldinnen erwischt. Ich erinnerte mich daran, wie ich in den 80er Jahren durch Musikvideos in ihren Bann geraten war. Mir begegnete dort eine strahlend-schöne junge Frau, mit unglaublicher Stimme, deren Echtheit begeisterte. In dem weniger bekannter Titel mit dem bezeichnenden Titel „Memories“, den sie ganz zu Anfang ihrer „Karriere“ einspielte, kommt dies zum Ausdruck .

Vor ein paar Monaten war es Amy Winehouse, die mit 27 Jahren starb. Auch sie trug Ehrlichkeit in ihrer Stimme, die notwendige Essenz, die es braucht, um mich einzunehmen. Die Liste der tragischen Toten unter den weiblichen und männlichen Stars (nicht nur der Musikszene) ist lang und reicht bis weit in die Geschichte hinein. Was sie alle verbindet: es sind Menschen mit außergewöhnlichen Talenten und großer Authentizität. Dafür ernten sie Bewunderung, der sich kaum jemand entziehen kann.

Längst bieten uns alle Medien, die sich jeweils ihrem Stil und ihrer Klientel entsprechend, zum Tod meiner Heldinnen geäußert haben, tagtäglich andere Schlagzeilen an. Warum will ich jetzt immer noch an diese tragischen Todesfälle erinnern?

Meine Motive liegen auf der Hand. Ich habe mein kleines Unternehmen „Erfolg für Talente“ genannt – ganz aus der Überzeugung, dass jeder Mensch über Talente verfügt und jeder Mensch Erfolg braucht, um glücklich zu sein. So steht es auch auf der ersten Seite meiner Homepage. Deshalb lassen mich die Gedanken über das Wesen und die Gefahren des Erfolgs nicht in Ruhe.

Soviel ist klar: für Erfolg gibt keine einfache Formeln. Deshalb gibt es selbstverständlich auch keinen Automatismus, dass talentierte Menschen immer erfolgreich werden und erfolgreiche Menschen immer glücklich sind. Das weiß jedes Kind, und viele sind auf leidvolle Weise früh zu dieser Erkenntnis gelangt. Sei es, dass Talente nicht erkannt oder nicht gefördert wurden – sei es, dass Erfolge nicht gesehen oder nicht gewürdigt wurden.

Und es gibt auch noch diese Seite, die mindestens ebenso zerstörerisch ist: talentierte Menschen werden über die Maßen trainiert. Ihnen wird damit viel persönliche Freiheit genommen. Menschen werden instrumentalisiert: von Eltern, von Lehrern, von Managern… Die Erzählung „Unterm Rad“ von Hermann Hesse führt diesen Prozess beispielhaft vor. Wen wundert es, dass die Geschichte tragisch endet.

Im Auge des Betrachters strahlen „die Stars“ solange, sie immer neue Erfolge liefern. Anerkennung und Zuneigung werden eng mit ihrem Erfolg verknüpft. Immer neue Erfolge fordern sie schließlich dann auch von sich selbst. Sie stehen auf diese Weise immer am Abgrund. Der wird umso tiefer, je mehr die Öffentlichkeit ins Spiel kommt. Und die kennt bekanntlich keine Gnade. Spätestens an dieser Stelle wird es schnell lebensgefährlich.

Mich interessiert deshalb, welche Bedingungen erfüllt sein müssen, damit „gesunder“ Erfolg möglich wird.

Dazu mehr in einem nächsten Beitrag.

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Durch Selbständigkeit desillusioniert? Wirklich nicht, denn ich lerne fliegen!

7.02.2012 Mechthild Bruns Gespeichert in Erfolg im Beruf, Selbstsicherheit, Werte im Beruf | 2 Kommentare »

© sonya etchison - Fotolia.com

Vor einigen Tagen erhielt ich eine Mail von Gitte Härter. Sie ist eine, von mir sehr geschätzte Bloggerin. In ihrer Mail lud sie zur Teilnahme an einer „Blogparade“ ein. Auf den ersten Blick fühlte ich mich gar nicht angesprochen, zumal es um „Desillusionierung“ in der Selbständigkeit gehen sollte. Der Weg in meine eigene Selbständigkeit und „Desillusionierung“ – das wollte so gar nicht zusammen passen. Denn ich betrachte meine jetzige Selbständigkeit als Erfolgsgeschichte – als das Beste – was mir im Berufsleben passieren konnte.

Schließlich hatte ich mich, trotz vieler Warnungen und obwohl ich wusste, dass es Coaches schon wie Sand am Meer gab, nach 18 jähriger Arbeit in einem internationalen Konzern, als Berufscoach selbständig gemacht. Ganz einfach deshalb, weil ich das Gefühl hatte, dass diese Arbeit gut zu mir passen würde. Nun, nach drei Jahren kann ich sagen: mein Gefühl hat mich auf die richtige Spur geführt. Denn ich habe durch diesen Schritt die Aufgabe gefunden, die mich erfüllt, die mich inspiriert und motiviert.

Beim Nachdenken über meine bisherigen Erfahrungen mit der Selbständigkeit, fielen mir deshalb zunächst einmal auch nur positive, unterstützende Faktoren ein:

  • solides Fachwissen und einschlägige Erfahrung,
  • meine Familie und Freunde, die hinter mir standen und mir Unterstützung boten,
  • einen zusätzlichen Verdiener in der Familie – dadurch konnte ich Durststrecken überwinden,
  • Platz für einen angenehmen Arbeitsplatz in der Wohnung – also keine zusätzlichen Mietkosten,
  • eine Freundin, die mir stundenweise für einen guten Preis einen tollen Raum für mein Coaching vermietete.

All dies ist sicher nicht der Stoff, der dazu taugt, über Desillusionierung in der Selbständigkeit zu berichten.
Und doch tauchten plötzlich Erinnerungen an meine bisherigen Marketing-Aktivitäten auf, aus denen sich ein ganzes Bündel an desillusionierenden Erfahrungen schnüren lässt. Über die will ich jetzt gerne berichten. Auch deshalb, weil ich froh bin, dass ich hier immer mehr störenden Ballast abwerfen kann.

Hatte ich mich in Sachen Marketing zunächst eng an dem orientiert, was Marketing- Experten und die einschlägige Literatur empfahlen, so komme ich jetzt immer mehr auf den Boden der Tatsachen. Denn ich habe in den drei Jahren meiner Selbständigkeit etliches ausprobiert und weiß jetzt immer besser, was für mich nur im begrenzten Rahmen nützlich ist, was ich alles nicht brauche und vor allem, was gut für mich ist:

Desillusionen und Erkenntnisse:

1. Was für mich nur bedingt nützlich ist:

  • XING und Facebook: Deren Nutzen ist für mich eingeschränkt. So wurde ich bei XING zu Beginn eifrig Mitglied in diversen Gruppen. Ich musste aber nach kurzer Zeit feststellen, dass in diesen Gruppen, neben zahlreichen Begrüßungsbeiträgen von „Neuankömmlingen“, keine nennenswert spannenden Diskussionen geführt werden. Zudem tummeln sich bei XING ganze Scharen von Freiberuflern und Selbständigen, die alle das gleiche im Sinn haben, Kunden zu akquirieren. Auch Facebook ist bis jetzt nicht mein Forum geworden. Hier geht es hauptsächlich darum, ganz entspannt alles Mögliche zu posten. Der Ablenkungsfaktor ist entsprechend hoch. Deshalb tauche ich hier nur noch gelegentlich auf, immer dann, wenn ich einen neuen Blog-Eintrag bekanntgeben möchte.
  • Messebesuche: Zu Anfang war ich der Meinung, dass die Präsenz auf Fachmessen zum festen Bestandteil meines Marketings gehören sollte. Schon in der Vergangenheit hatte ich mich aber auf Messen nie richtig wohlgefühlt, zu viele Menschen, zu viel Anonymität, zu voll. Das hat sich auch jetzt nicht geändert. Da der „Wohlfühlfaktor“ aber wichtig ist, um selbstbewusst zu strahlen, habe ich entschieden, dass Messen nicht mein Medium sind. Ich gehe nur noch hin, wenn mich ein Vortrag oder eine Podiumsdiskussion interessiert.
  • Verbandsmitgliedschaften: Auch dies sind Foren, von denen ich zu Anfang annahm, dass sie mich bei meinem Tun unterstützen würden. Was ich vorfand: eine eingeschworene Gemeinde mit starren Vereinssatzungen, vorgegebenen Beitrittskonditionen und teils unerschwinglich hohen Mitgliedsgebühren. Das hat mich abgeschreckt. Denn relativ fest gefügte Organisationsstrukturen sind das letzte, was ich mir zurzeit vorstelle. Ich brauche jetzt viel Freiraum, um eigenständige Ideen zu entwickeln. Das ist schließlich die wichtigste Grundlage für meine Selbständigkeit. Verbandsarbeit erlebe ich deshalb im Augenblick nicht als förderlich. Wenn sie mich thematisch ansprechen, besuche ich allerdings dort gelegentlich offene Veranstaltungen.

2. Was ich nicht brauche:

  • einen vorbereiteten „Elevator-Pitch“, dessen Wichtigkeit in jedem Marketing-Ratgeber betont wird: Auch hier bemühte ich mich zunächst um die Ausarbeitung dieses unerlässlichen Tools. Die praktische Nutzung war niederschmetternd. Denn ich verkrampfte regelmäßig im entscheidenden Moment, weil ich mich anstrengte, dass zu reproduzieren, was ich mir aufgeschrieben hatte. Frustration war das dominierende Gefühl. Konnte ich denn gar nicht rüberbringen, was ich zu bieten habe? Durch diese negativen Erfahrungen verloren meine Aufzeichnungen an Bedeutung. Allerdings schaffe ich es inzwischen völlig mühelos über den Spaß zu reden, den mir meine Arbeit macht. Dabei liefere ich offensichtlich meinen Gesprächspartnern immer wieder nützliche Impulse, mit dem Ergebnis, dass ich weiterempfohlen werde und dass Kunden kommen. Fazit: meine „Zielgruppe“ ist überall. Und das Beste ist: ich brauche nur ich selbst zu sein.
  • Hochglanz- Flyer und sonstige extern designte Druck-Erzeugnisse: Zugegeben, Design-Profis haben es schon drauf, tolle Werbematerialien zu erstellen. Für meine Zwecke sind sie aber in der Regel zu glatt und zu unpersönlich. In meinen Werbeartikeln will ich für meine Kunden sichtbar werden. Deshalb mache ich viel selbst. Ich nehme Fotos oder eigene Bilder, die mir etwas bedeuten und scheibe meine Texte selbst. Das Bloggen hat sich deshalb als mein ideales Medium erwiesen.

3. Was gut für mich ist:

  • mir die Zeit zu lassen, die ich brauche, um mein Ding zu machen,
  • meiner Abneigung gegen den Mainstream nachzuspüren und das, was mir wirklich wichtig ist auf den Punkt zu bringen,
  • freundliche, inspirierende Leute anzusprechen, zu treffen und mich unverkrampft mit ihnen auszutauschen,
  • auf teure Weiterbildungen verzichten, anstatt dessen Besuch von kleinen, individuellen Lern- und Erfahrungsgruppen,
  • Bloggen, weil es mir Spaß macht über Themen zu schreiben, die mich „anspringen“,
  • persönliche Mails und Karten zu schreiben, die den Adressaten Freude bereiten, weil die Produktion mir selber Spaß gemacht hat.
  • Wichtig für mich ist auch: immer mehr weg zu kommen von der „ich weiß, was ich nicht will- Lethargie“ – hin zur „ich probiere mal was aus – mal sehen, was daraus wird – Strategie“.

Auch wenn es gelegentlich mit Frustrationen verbunden war, meine beschriebene Desillusionierung war unterm Strich ein durch und durch positiver Prozess, der mir die Augen für die erfolgversprechenden Aktivitäten geöffnet hat. Ich gewinne zunehmend an Sicherheit, zu wissen, was gut für mich und damit für „Erfolg für Talente“ ist. Und das schönste ist: ich verliere zunehmend meine „Angst vorm Fliegen“.

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Vertrauen – der Ursprung des Guten

27.01.2012 Mechthild Bruns Gespeichert in Erfolg im Beruf, Selbstsicherheit, Werschätzende Mitarbeiterentwicklung, Werte im Beruf | Keine Kommentare »

© MAK - Fotolia.com

Das Vertrauen! Immer wieder lande ich in meiner Arbeit als Berufscoach dort. Und schon mehrfach war es mein Anliegen, über dieses wesentliche Phänomen in meinen Artikeln zu schreiben.

Vertrauen als:

Dieses sind nur wenige Beispiele für die positive Wirkweise von „Vertrauen“ in Wirtschaftsleben und Beruf. Die Liste ließe sich mit unzählbaren Beispielen fortsetzen. Kein Wunder, denn das Vorhandensein von Vertrauen ist nicht nur der Schlüssel für Erfolg im Beruf, es ist wohl eine der Grundvoraussetzungen für unser Leben.

Damit ist ein großes Fass aufgemacht. So bezeichnet Reinhard K. Sprenger denn auch in seinem Buch „Vertrauen führt“, „Vertrauen als einen problematischen Begriff“, weil er „…in so unterschiedlichen Zusammenhängen verwendet (wird), dass es fragwürdig erscheint, einen gemeinsamen Nenner zu finden.“ (S.55). Auch deshalb, weil Missbrauch bekanntlich auch vor dem Vertrauen nicht halt macht. Wenn dieser Fall eintritt, sprechen wir von „Vertrauensbruch“. Die negativen Folgen sind zumindest für eine Seite gravierend.

Mir ist bewusst, dass das große „Thema Vertrauen“ in einem Blog–Beitrag nicht ausreichend beschrieben werden kann. Dennoch möchte ich eine weitere Gelegenheit nutzten, mich an dieser Stelle damit zu beschäftigen.

Warum?

Weil ich in meiner Aufgabe als Coach, so wie ich sie verstehe, aus dieser Nummer gar nicht herauskomme. Die Existenz von Vertrauen zwischen meinen Kunden und mir ist die Grundvoraussetzung für eine gelungene Zusammenarbeit. Ohne dieses gegenseitiges Vertrauen und eine eng damit verknüpfte Wertschätzung, bleiben umfassendes Fachwissen und ein gut bestückter Methodenkoffer wirkungslos.

Menschen, die mein Coaching in Anspruch nehmen, wollen sich entwickeln, Blockaden überwinden, neue Sichtweisen, Erkenntnisse und Fähigkeiten gewinnen, neue Wege beschreiten. Hierzu benötigen sie den Glauben an sich selbst – das Selbstvertrauen und den Mut, sich in neue, unbekannte Gebiete zu wagen. Sie brauchen Hoffnung, Mutmacher und jemanden, der an sie glaubt – ihnen Vertrauen schenkt, damit dies gelingt. Ich bin der Überzeugung, dass auf diese Weise ein Prozess der Wechselwirkung in Gang kommt, in dem Selbstvertrauen wächst und Selbstwirksamkeit zunehmend erlebt werden kann.

Gelingt dies, wird eingelöst, was der Philosoph Martin Buber in folgendem Satz ausdrückte: „Der Mensch wird am Du zum ich.“

Vertrauen ist, so verstanden, der Ursprung des Guten.

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Wie Wertschätzung im Unternehmen Mitarbeiter in Höchstform bringt und Kunden glücklich macht

16.01.2012 Mechthild Bruns Gespeichert in Erfolg im Beruf, Innovative Personalarbeit, Werschätzende Mitarbeiterentwicklung | Keine Kommentare »

© Marek - Fotolia.com

Meine Töchter und ich haben neulich beim Shoppen einen wunderbaren Laden entdeckt. Dieses Geschäft hat uns verzaubert, und wir können seitdem der Versuchung nicht widerstehen, dort immer wieder einzukaufen. Ich musste nicht lange überlegen, um darauf zu kommen, was unsere Begeisterung ausgelöst hat: In diesem Laden herrscht ein guter Geist. Spürbare Wertschätzung als tragendes Element wurde für mich an verschiedenen Punkten sichtbar:

  • als Kundin: Wir hatten eine Reklamation. Völlig unkompliziert wurde das defekte Teil nicht eingeschickt, sondern sofort umgetauscht.
  • bei den Mitarbeitern: sie scheinen dort alle sehr gern zu arbeiten, sind immer freundlich und fröhlich, arbeiten geschickt Hand in Hand, wirken selbstbestimmt und selbstorganisiert, können entscheiden, ohne sich beim Chef rückversichern zu müssen.
  • bei den Geschäftsführern: Sie sind zwar nicht vor Ort, treten dennoch quasi persönlich in Erscheinung. So erhielten wir bei einem Weihnachtseinkauf eine Weihnachtskarte mit ihren persönlichen Grüßen. Geradezu begeistert hat mich eine Stellenanzeige, die im Laden – einfach an eine Wand gepinnt – zu lesen war. Der freundlich, unverkrampfte Ton, in dem man eingeladen wurde, mit dabei zu sein, war bestechend.

Mein Resümee: Hier machen die Geschäftsführer – zwei junge Menschen – vor, wie wertschätzende Unternehmensführung funktioniert. Der Erfolg gibt ihnen recht.

Dieses erfreuliche kleine Beispiel wertschätzender Mitarbeiter- und Unternehmensführung ist leider nicht die Regel. In der Zeitschrift „managerSeminare“ vom September 2009 wird in dem Beitrag  Vom Wert der Wertschätzung“ der Medizinsoziologe Johannes Siegrist zitiert, der diagnostizierte, dass „Unternehmen … im Bereich der Anerkennung und Wertschätzung oftmals sehr große Defizite“ haben. (S.23)

Zu diesem Schluss kommt auch, die im gleichen Beitrag erwähnte Studie des Kölner Instituts „Great Place to Work“ von 2007. Sie wurde vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales in Auftrag gegeben. Im Zuge dieser Studie wurden 37.000 Mitarbeiter aus 314 Unternehmen befragt. Das Ergebnis: „Die Mitarbeiterorientierung in den Unternehmen – von kompetenter Führung über Fairness bis hin zur Förderung von Teamgeist – wird nur von rund der Hälfte der Beschäftigten positiv wahrgenommen. Zu den besonders kritischen Einzelaspekten gehört die Anerkennung durch die Führungskräfte: Lediglich 36 Prozent der Beschäftigten fühlen sich anerkannt.“

Diese Aussagen korrespondieren damit in fataler Weise mit der, von mir bereits in einem früheren Beitrag erwähnten „Gallup-Studie“. Diese ergab folgendes: nur „13 Prozent der Befragten arbeiten engagiert und motiviert, 67 Prozent machen Dienst nach Vorschrift und 20 Prozent haben sogar bereits die innere Kündigung vollzogen.“ In der Studie heißt es weiter, dass „…der deutschen Wirtschaft durch fehlende oder nur geringe emotionale Bindung der Beschäftigten zu ihrem Unternehmen Kosten in Höhe von 16,2 Milliarden Euro im Jahr – nur aufgrund von Fehlzeit, entstehen.“ Spätestens hiermit dürfte der Zusammenhang zwischen Wertschätzung und Wertschöpfung überdeutlich werden.

„Great Place to Work“ fasst auf ihrer Homepage die entscheidenden Faktoren für Arbeitsplatzqualität zusammen:

  • qualifiziertere Bewerbungen für offene Stellen,
  • geringere Personalfluktuation,
  • Reduzierung der betrieblichen Gesundheitskosten,
  • höhere Kundenzufriedenheit und Kundenbindung,
  • größere Innovationskraft, Kreativität und Risikofreude,
  • höhere Produktivität und Wirtschaftlichkeit.

Ich meine: Nach diesen Argumenten fällt es schwer, wertschätzende Mitarbeiterführung weiterhin als unnützes „Gedöns“ abzutun. Und mein neuer Lieblingsladen macht allen Ungläubigen vor, wie es geht.

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Klein anfangen – so haben die guten Vorsätze eine Chance!

3.01.2012 Mechthild Bruns Gespeichert in Allgemein, Erfolg im Beruf, Werte im Beruf | Keine Kommentare »

Foto: privat

Warum diese Überschrift? Das Jahr ist jung und der Mut durch ein paar freie Tage noch völlig ungebrochen. Da möchte man meinen, jetzt sei die beste Gelegenheit für große Ziele und gute Vorsätze. Diese Annahme ist leider falsch. „Die Zeit“ zitiert unter dem Titel „Jetzt klotze ich mal so richtig ran“ eine Studie, die uns vor Augen führt, dass 80% aller guten Vorsätze nicht umgesetzt werden, ein Viertel davon scheitern bereits in der ersten Woche des neuen Jahres.

Warum tappen viele von uns trotzdem immer wieder in diese Falle? Die Frage ist nicht leicht zu beantworten. Es kann viele Gründe geben. Möglicherweise sind die Vorsätze zu groß und übersteigen den eigenen Energiehaushalt, machen Mühe und/oder erfordern Mut.

Das ist gefundenes Fressen für den inneren Schweinehund, aber auch für die einschlägigen Gazetten. Durch sie werden wir, in alljährlich wiederkehrenden Beiträgen, mit allen verfügbaren guten Ratschlägen versorgt, die uns dabei helfen sollen, unser Ziel doch noch zu erreichen. Hier nur zwei Beispiele „Der Stern“: „So erreichen Sie Ihre Ziele“ und „Brigitte“ „Gute Vorsätze“ .

Eine erfreuliche Unverkrampftheit gegenüber den guten Vorsätzen legt Hatice Akyün in Ihrer Kolumne „Gute Vorsätze reichen nicht“ im Berliner „Tagesspiegel“ an den Tag. Sie bringt den Sachverhalt mit einem Ausspruch Ihres Vaters treffend auf den Punkt: „„Cehennemin yolu iyi niyet taslariyla döselidir“ – der Weg zur Hölle ist mit guten Vorsätzen gepflastert.“ Darüber hinaus schreibt Hatice Akyün noch etwas sehr Wesentliches: „Vorsätze sollten so zielgerichtet sein, dass sie auch Wirkung entfalten. Nicht nur die eigene Befindlichkeit betreffend, sondern auch dort, wo man mit kleinen Dingen etwas bewirken kann.“

Meine Meinung: Vorsätze müssen passen – zur eigenen Person, zur aktuellen Situation, zu den jeweiligen Möglichkeiten. Und noch ein paar Bedingungen für den Erfolg:

  • Das Ziel ist attraktiv und herausfordernd.
  • Die Etappen zum Ziel sind eher klein proportioniert.
  • Die Umsetzung des Vorsatzes braucht den richtigen Zeitpunkt und dauert in der Regel eine gewisse Zeit.
  • Rückschläge sind möglich.
  • Der Weg zum Ziel ist freiwillig, wird also ohne jeglichen Widerwillen gegangen.
  • Freude ist das bestimmende Gefühl.

Ich möchte dies an einem kleinen Beispiel verdeutlichen:

Der erste Schnee hat für viele etwas Magisches. So ging es auch meiner damals vielleicht zehnjährigen Tochter. Der Garten war noch nicht ganz mit Schnee bedeckt. Aber es gab kein Halten mehr. Ein Schneemann wurde mit großem Eifer gebaut. Die Menge reichte gerade für ein etwa 40 Zentimeter hohes Männchen aus, das mit ihrem Sonnenhut ausgestattet wurde und einen putzigen Anblick bot. Gleich nach Vollendung, fotografierte sie es voller Freude und Stolz. Das Ergebnis ist auf dem Foto zu sehen.

Ich fasse zusammen: magische Anziehung (das heißt: Attraktivität der Ressourcen und des erwarteten Ergebnisses), mit Eifer zum Ziel, Freude am Tun, Stolz auf das Ergebnis – das kann der Stoff sein, mit dem gute Vorsätze eine Chance haben.

Ganz in diesem Sinne wünsche ich viel Glück und gutes Gelingen im neuen Jahr!

 

 

 

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„Gebt nicht auf – Ihr könnt was!“

7.12.2011 Mechthild Bruns Gespeichert in Berufsfindung, Erfolg im Beruf, Innovative Personalarbeit, Werschätzende Mitarbeiterentwicklung, Werte im Beruf | Keine Kommentare »

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Kurz vor Weihnachten kommt nun ein Signal aus der Wirtschaft, auf das ich schon lange gewartet habe.

Wieder ist es Thomas Sattelberger, dem Personalvorstand und Arbeitsdirektor der Deutschen Telekom AG gelungen, sich  sich von den gängigen Statements vieler seiner Kollegen wohltuend abzusetzen. Diese werden nicht müde den Bildungsnotstand im Land nur zu beklagen. Hatte die Telekom durch Sattelbergers Initiative 2010 als erstes Dax- Unternehmen eine Frauenquote für ihr Management beschlossen, so macht er sich jetzt im heutigen Schwerpunktthema der TAZ stark für eine Wirtschaft, die im Rahmen einer neuen Bildungsoffensive gesellschaftliche Verantwortung übernehmen sollte. Auch wenn jetzt der eine oder andere Leser die zeitlich wohlplatzierte Marketingabsicht eines Personalvorstandes wittert, so bin ich der Meinung, dass es sich der Sache wegen lohnt, hier weiterzulesen.

Worum geht es Thomas Sattelberger? Zunächst einmal zeigt er sich besorgt über die Bildungssituation im Deutschland, weil die Finanzierung für 50.000 Studieninteressierte fehlt. Diese Sorge wird in Unternehmenskreisen auf breiter Ebene geteilt. Sein Unterscheidungsmerkmal ist ein anderes: wo Unternehmen gerne die Verantwortung der Politik und jedem Einzelnen zuschieben, will er auch die Unternehmen in die Pflicht nehmen. Das sind endlich neue Töne in seiner Zunft. Ich habe den Eindruck, hier hat einer die Zeichen der Zeit erkannt und macht sich für ein Umdenken stark.

Glaubwürdig werden seine ethischen Motive, über die er auch in einem Interview bei der Bertelsmann Stiftung spricht, durch Aktivitäten mit Signalwirkung. Hier nur zwei Beispiele was er in seinem Unternehmen angestoßen hat:

  • Schaffen von 1200 dualen Studienplätzen, bei denen das Unternehmen die Hälfte der Studienkosten trägt,
  • und die Übernahme von 150 Auszubildenden, die als nicht ausbildungsfähig galten.*

Gerade die zweite Initiative möchte ich etwas näher beleuchten, denn sie belegt, aus meiner Sicht, die aufgeklärte und verantwortungsvolle Einstellung. Sattelberger hat erkannt „…,dass ein Unternehmen die Vielfalt der Gesellschaft widerspiegeln muss.“, „… weil wir uns der sozialen gesellschaftlichen Verpflichtungen nicht entledigen können.“*, und vertritt die Überzeugung, dass

  • Menschen gelegentlich Unterstützung brauchen, um aus den gegebenen Begrenzungen herauszukommen,
  • auch junge Leute, die formal als nicht ausbildungsfähig gelten, über ausgeprägte Stärken und Talente verfügen,
  • Jugendliche, bei denen mal etwas schiefläuft, nicht aufgegeben werden dürfen, da auch sie bestimmte Stärken und einen Willen haben,
  • gängige Auswahlverfahren der Unternehmen, diese Begabungen und Qualitäten nicht transparent machen.*

Gerade der letzte Aspekt stimmt mich hoffnungsvoll. Denn mit der Erkenntnis, dass gegenwärtige Methoden der Personalarbeit häufig nicht greifen, wird der Blick frei für eine Personalarbeit, die sich nicht als verlängerter Arm für rein wirtschaftliche Unternehmensinteressen versteht. Sie kann damit als eine professionelle Unternehmensfunktion wirken, die weiß, wie Menschen ticken und die deshalb bestrebt ist, die Potenziale der Mitarbeiter zu erkennen und zu fördern. Sie hat verstanden, dass nur dies auf Dauer Chancen bietet, betriebswirtschaftliche und damit auch volkswirtschaftliche Erfolge einzufahren.

Abschließend möchte ich noch einmal Thomas Sattelberger zitieren, der all den abgewiesenen Jugendlichen und Abiturienten folgendes mit auf den Weg gibt:

Gebt nicht auf! Es gibt mehr und mehr Menschen, die mithelfen, dass ihr eine zweite und dritte Chance bekommt. Ich würde es für schädlich und schändlich halten, wenn wir in unserem Land zu verlorenen Generationen kämen.*

* Quelle : „Wir brauchen eine neue Offensive“, Interview mit Thomas Sattelberger von Christian Füller, Die Tageszeitung, 07.12.2011, Seite 4

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Schöne neue Berufswelt III – Welcher Beruf passt zu mir?

21.11.2011 Mechthild Bruns Gespeichert in Berufsfindung, Erfolg im Beruf, Schöne neue Berufswelt, Selbstsicherheit | 2 Kommentare »

© Marek - Fotolia.com

„Wie finde ich heraus, was ich werden soll?“ dieser Artikel im „Beruf und Karriere-Teil“ der Süddeutschen Zeitung vom letzten Wochenende (19./20.November 2011, Seite V2/10; leider nicht online verfügbar) kommt gerade recht, um meine Reihe über die „schöne neue Berufswelt“ fortzusetzen. In dieser Kategorie schreibe über Themen, über die ich mich so richtig aufregen kann.

Worum geht es dieses Mal? Eine sechzehnjährige Gymnasiastin ist verunsichert, weil sie zwar ganz sicher weiß, was sie nicht werden will, aber keinerlei Ideen hat, welcher Beruf zu ihr passen könnte. Auch diverse Berufstests konnten ihr bislang keine hilfreiche Orientierung geben.

Hier weiß die Expertin für Berufsfragen Uta Glaubitz Rat. Aber anstatt zunächst einmal eine Ermunterung auszusprechen und zu würdigen, dass sich die Schülerin so aktiv auf die Suche nach dem, für sie passenden Weg begeben hat, wird ihr zunächst einmal eine Illusion geraubt. Frau Glaubitz klärt sie auf, dass Tests einem die Entscheidung nicht abnehmen, da sie lediglich das Bedürfnis befriedigen würden, die Verantwortung für sich selbst abzugeben. Das sitzt! Insbesondere deshalb, weil die Testgläubigkeit hierzulande kaum zu überbieten ist. Spätestens seit Pisa wird jeder Schüler förmlich mit Tests bombardiert. Nicht nur die Bildungssituation der Republik versucht man auf diese Weise immer wieder zu monitoren – ebenfalls wird die individuelle Leistung jedes Schülers, Schuljahr für Schuljahr zusätzlich zu den üblichen Leistungskontrollen, durch Jahrgangsstufentests beurteilt, so dass schon der Eindruck entsteht, dass mehr geprüft als gelernt wird.

Auch die respektablen Fähigkeiten, die die Schülerin mitbringt, wie Kreativität, Organisationstalent, sprachliche Ausdrucksfähigkeit, Durchhaltevermögen und einiges mehr, werden lapidar als „Grundvoraussetzungen“ für interessante Berufe eingestuft. Da weiß sie also gleich, dass es schon etwas mehr sein muss, um den heutigen beruflichen Anforderungen gerecht zu werden.

Deutlich wird der jungen Frau klargemacht, welche Spielregeln heute beherrscht werden müssen, um sich als Einsteigerin im hart umkämpften Markt erfolgreich zu positionieren. Sie wird darauf hingewiesen, dass sie es sich nicht leisten kann „unorganisiert zu sein und komplizierte Zusammenhänge nicht zu begreifen“. Auch die Fähigkeit zur Kreativität in allen Lebenslagen muss mit dem richtigen Training erworben werden.

Als nächstes wird der Schülerin mitgeteilt, welches Engagement von ihr erwartet wird, damit Einstiegschancen in einen journalistischen Beruf bestehen. Frau Glaubitz schreibt dazu:

„Es gibt immer die Chancen, die man sich erarbeitet. Wenn Sie Politik oder Volkswirtschaft studieren, Uniradio machen und nebenbei für einen Fernsehsender jobben, dann erarbeiten Sie sich damit Chancen auf ein journalistisches Volontariat“.

Zum Schluss dann quasi eine Ermahnung, nach dem Schulabschluss bloß nicht dies und das auszuprobieren oder gar eine Reise zu unternehmen, die in keinem plausiblen Kontext zum zukünftigen Beruf steht. Erst muss man sich entscheiden, was aus einem werden soll.  Und danach lautet die Ansage: zielstrebig auf den Traumjob hinzuarbeiten.

Beim Lesen dieser Ratschläge könnte man meinen, hier hat jemand im Rahmen einer Glosse extra dick aufgetragen, um auf den Irrsinn der heutigen Situation beim Berufseinstieg aufmerksam zu machen – doch leider war alles ernst gemeint.

Welchen Nutzen kann die Schülerin nach der Lektüre dieser Empfehlungen für sich verbuchen?

Sicher weiß sie jetzt, dass sie sich weiter am Riemen reißen muss, dass ihr nichts geschenkt wird, dass sie sich ihre Chancen erarbeiten muss und vor allem, dass es jetzt dringend Zeit für die ultimative Entscheidung ist, wohin die berufliche Reise gehen soll.

Ist das hilfreich? Ich bin nicht davon überzeugt!

Da eine Schulkarriere in Deutschland zunehmend weniger Möglichkeiten bietet, die eigenen Neigungen herauszufinden und zu erproben, kann es gut sein, sich nach der Schule eine Orientierungsphase zu gönnen und durchaus dies und das auszuprobieren, um festzustellen, was einem liegt und was nicht.

Darüber hinaus, befinden sich Berufe heute einem permanenten Wandel, so dass es sowieso ratsam ist, die weitverbreitete Sichtweise über Bord zu werfen, dass man nach dem Schulabschluss eine definitive Entscheidung für ein Berufsziel treffen muss. Meine Botschaft: sich keinen Entscheidungsstress zu diesem Zeitpunkt zu machen. Viel wichtiger scheint es mir zu sein, überhaupt erst einmal Entscheidungsfähig zu werden. Dazu kann wiederum die erwähnte Erprobung verschiedener Arbeitsfelder dienen.

Von besonderer Bedeutung aber scheint mir die Frage zu sein, wie authentisch und souverän man in einer beruflichen Tätigkeit sein kann. Darum ist der gelungene Berufsfindungsprozess, so wie ich ihn verstehe, immer auch ein Selbstfindungsprozess. Hier ist es von Vorteil erst einmal zu entkrampfen und sich gegebenenfalls auch einige Schleifen zu erlauben, um seinen Platz im Berufsleben zu finden.

Damit rechtzeitig zu beginnen, lohnt sich wirklich, wenn man nicht wie Miriam Meckel, erst nach vierzig Jahren zu folgender Erkenntnis gelangen will: „Um zu begreifen, dass ich in manchem nur eine Rolle spiele, dass ich mein Leben nach den Vorgaben anderer ausrichte, nach der Gesellschaft, in der ich lebe – und dass mich das ziemlich unglücklich gemacht hat.“ Mit Miriam Meckel teile ich die Meinung, dass es doch nur um eines gehen kann: ich selbst zu sein. Sich dies zu ermöglichen, ist das alles entscheidende Kriterium für einen Beruf, der zu mir passt.

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„Morgen ist auch noch ein Tag.“ Über das Laster des Aufschiebens

1.11.2011 Mechthild Bruns Gespeichert in Erfolg im Beruf | 1 Kommentar »

© luagamol - Fotolia.com

„Morgen ist auch noch ein Tag.“ Dieses tröstliche Mantra sprechen sich viele von uns tagtäglich zu und verschieben anstehende Aufgaben und Projekte auf den nächsten Tag, die nächste Woche oder auf unabsehbare Zeit.

Aber auch mit gegenteiligen Sprüchen wie „Was Du heute kannst besorgen …“ ist die deutsche Sprache reich gesegnet. Sie sind uns gut bekannt und haben die Funktion, uns auf das Bedrohungspotenzial, das im aufschiebenden Verhalten liegt, aufmerksam zu machen. Doch obwohl den meisten von uns diese Sprüche in den Ohren klingeln dürften, genützt haben sie oft herzlich wenig. Das mag daran liegen, dass Appelle und Ratschläge in der Regel sowieso wirkungslos verpuffen.

Das Aufschieben, das auch als „Mañana-Syndrom“ oder „Last-Minute-Prinzip“ bezeichnet wird, ist ein weit verbreitetes Phänomen. So schätzt beispielsweise der amerikanische Psychologe William Knaus „…, dass etwa 90 Prozent aller College-Studenten immer wieder mal wichtige Pflichten aussitzen.“ (Quelle). Und das oft mit dem Phänomen verbundene Leiden ist so gravierend, dass es unter dem Begriff „Prokrastination“ zum Gegenstand wissenschaftlicher Forschung geworden ist.

Dieses leidige Verhalten begegnet mir nicht nur bei meinen Kunden immer wieder, sondern es ist auch mir selbst nur allzu gut bekannt. Und es hat unliebsame Folgen. So musste ich mich beispielsweise krankmelden, weil ich den Abgabetermin meiner Diplomarbeit nicht einhalten konnte. Das ist zwar schon lange her, aber auch heute schaffe ich es gelegentlich nicht, meine eigenen Terminvorgaben einzuhalten – also Grund genug, um darüber an dieser Stelle zu schreiben.

Gerne würde ich natürlich in diesem Beitrag für alle Leidensgenossen ein paar unterstützende Hinweise geben.
Allerdings handelt es sich bei der „Aufschieberitis“, wie schon erwähnt, um ein Syndrom – also, um einen sehr vielschichtigen Sachverhalt. Deshalb muss ich zunächst leider alle enttäuschen, die an dieser Stelle auf ein, für sie garantiert wirksames Rezept zur Überwindung ihres eigenen Aufschiebeverhaltens gehofft hatten.

Grund dafür: die Vielfalt der vermuteten Ursachen. Einige davon sind auf einer überaus aufschlussreichen Internetseite zum Thema „Prokrastination“ aufgeführt:

  • Idole und abschreckende Beispiele
  • Perfektionismus
  • hohe Ablenkungsbereitschaft
  • geringe Wichtigkeit und Bedeutung
  • Akzeptanz fremder Anforderungen
  • Unklare Anforderungen
  • Unfähigkeit
  • Angst vor dem Neuen
  • Versagens- oder Entscheidungsängste.

Diese Ursachenvielfalt verweist zwingend auf die Notwendigkeit individueller Lösungswege.

So kann ich hier auch nur schildern, wie ich selbst mein Problem heute auf ein erträgliches Maß reduziert habe:

  • nur so viel planen, wie ich tatsächlich schaffen kann (Früher hätte mein Tag mehr als 24 Stunden gebraucht.)
  • jede Aufgabe in meinen Outlook-Kalender eintragen (Auch die trivialsten Aufgaben brauchen Zeit. Ich hatte das nicht berücksichtigt und geriet so schnell ins Hintertreffen.)
  • alle erledigten Aufgaben im Kalender markieren (Das macht die erzielten Erfolge sichtbar und wirkt sich damit positiv auf das Wohlbefinden aus. Früher hatte ich oft das Gefühl, zu wenig oder gar nichts erledigt zu haben.)

Allerdings lässt sich meine wichtigste Erfahrung, die mich heute trägt und zunehmend sicherer macht, mit der, Aristoteles zugeschriebenen Weisheit zusammenfassen:

„Der Anfang ist die Hälfte des Ganzen.“

Gelingt es, eine Aufgabe anzugehen und sich ihr mit aller Aufmerksamkeit zu widmen, dann bereitet oft schon die Tätigkeit selbst große Freude. Die Lösungswege, die mir vorher so viel kopfzerbrechen bereitet haben, sprudeln dann wie von selbst. Und das erzielte Ergebnis ist dann noch zusätzlicher Lohn. Das ist der Fall, weil die Erinnerung an eine erfüllte Tätigkeit nicht spurlos verpufft, sondern sich in diesem vorzeigbaren Ergebnis materialisiert.

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